Air Berlin – nach langem Sinkflug hart aufgeschlagen

Eine Überraschung ist es nicht – Air Berlin hat den Weg zum Insolvenzgericht antreten müssen. Das Luftfahrtunternehmen ist zahlungsunfähig. Schon seit einigen Jahren waren die Abschlüsse in den roten Zahlen – nur einmal wurde ein hauchdünner Gewinn erzielt – und der Schlingerkurs bei der Unternehmensstrategie wurde nicht zuletzt an der immer wieder wechselnden Führung deutlich.

Dennoch sorgt die Pleite für Aufregung. Denn der Insolvenzantrag kommt mitten in der Urlaubszeit und mancher Tourist fürchtet, nicht mehr an sein Wunschziel zu gelangen oder, noch schlimmer, die Heimfahrt nicht mit Air Berlin antreten zu können. Die Bundesregierung hat schnell reagiert. Ein Notkredit von 150 Millionen Euro, ausgereicht über die KfW, sorgt dafür, dass der Flugbetrieb weiter geht. Kurz vor der Wahl wären Bilder gestrandeter Urlauber ein Desaster gewesen – die Finanzierung ist bis November gesichert, dann sind die Wahlen vorbei. Der Kredit hat bei der Begleichung der Schulden in einem anstehenden (Sanierungs-) Verfahren Vorrang.

Notausstieg

Gekommen war es jetzt zur Insolvenz, weil der Großaktionär Etihad aus Abu Dhabi nicht mehr bereit war, 50 Millionen Euro, die für den akuten Liquiditätsbedarf nötig waren, zu überweisen. Der arabische Investor hatte sich mit seinem Engagement verspekuliert. Getrieben von dem Wunsch, die größere Fluggesellschaft Emirates zu überholen, war man auf Einkaufstour gegangen. Air Italia und eine Schweizer  Regionalgesellschaft waren bereits nicht lohnend gewesen, da wollte man in Deutschland nicht noch mehr Geld versenken.

Der Ausstieg der Scheichs ist aber nur der deutlichste und folgenreiche Schlusspunkt einer seit Jahren anhaltenden Geschichte von Misserfolgen. Während die Lufthansa aktuell gute Gewinne macht und der Markt für Flugreisen noch Chancen bietet, hat das Management von Air Berlin versagt. Es ist nicht gelungen, das Unternehmen richtig im Markt zu platzieren. Am Ende steht jetzt ein Schuldenberg von 1,2 Milliarden Euro.

Im Zick-Zack über den Himmel

Gestartet war man mit Joachim Hunold, der bei der LTU gehen musste und nun beim Mallorca Shuttle Air Berlin den Erfolg suchte. Er setzte auf die Konzepte der Billiganbieter wie Ryan Air, sparte und baute auf ein aggressives Marketing. Mit dem Gang an die Börse wurde das Unternehmen „hybrid“: Langstreckenflüge und der innerdeutsche Flugverkehr, Geschäftsleute wie Touristen – man tummelt sich in allen Bereichen. Das geht nicht lange gut und auch der Ex-Bahn Chef Mehdorn kann selbst mit dem neuen Anteilseigner Etahid und weiterer Sparmaßnahmen das Ruder nicht herumreißen. Er wechselt zum Flughafen BER. Es folgen weitere Manager, die entweder versuchen, wieder in alte Bereiche zurückzukehren oder die als ehemalige Lufthansamanager einen schweren Stand im Hinblick auf die Konkurrenzlage haben. Immer aber fehlte es an einer tragfähigen Strategie.

Etahid ließ verlauten, dass keine positive Fortbestehensprognose mehr bestehe und man deshalb zum Ausstieg gezwungen sei. Nun strebt Air Berlin eine Insolvenz in Eigenverwaltung an. Zur Erinnerung: Die deutsche Insolvenzordnung ermöglicht es Unternehmen, unter Aufsicht eines Sachwalters das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchzuführen. Mit Einverständnis der Gläubiger und des Insolvenzgerichts verbleibt die Führung des Unternehmens somit im Amt und behält die Verfügungsgewalt über die Insolvenzmasse. Mit Unterstützung von Experten wird eine Sanierung des Unternehmens angestrebt.

Dieser Turnaround – immerhin sind 8.500 Mitarbeiter betroffen – wird nur gelingen, wenn Investoren an eine positive Zukunft glauben. An erster Stelle wird die Lufthansa genannt, aber auch Easyjet oder Touristikunternehmen haben wohl ein Engagement ins Auge gefasst. Bei den Verhandlungen wird es aber nur um Teile des Unternehmens gehen. Nicht nur der Schuldenberg schreckt ab, auch das Kartellrecht verhindert eine Übernahme im Ganzen.

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