FinTech – wird jetzt alles anders bei der Finanzierung?

FinTech: Anwendungen, Perspektiven, Risiken
Fintech, Creditreform

Wir möchten an dieser Stelle einführend einen Überblick über den Begriff „FinTech“, seine Anwendungen, seine Perspektiven, aber auch seine Risiken geben.

Zu betonen ist, dass die Finanztechnologie – wie ja überhaupt der gesamte Prozess der beschleunigten Digitalisierung unter dem Kürzel 4.0 – im Fluss ist, und dass so bereits abschließende Erkenntnisse oder eben auch sichere Prognosen nahezu unmöglich sind. Es kann nur Hinweise zum Stand der Dinge und zu den weiteren Möglichkeiten geben. Sicher wird uns erst die Zukunft die Möglichkeit geben, festeren Boden für Erkenntnisse aus einzelnen Bereichen der Finanztechnologie zu gewinnen.

Um den Begriff „FinTech“ näher einzugrenzen, gilt es sich zunächst einer Darstellung aus dem Internet zu bedienen, die tatsächlich ein Beispiel einer disruptiven Innovation darstellt wie sie für die FinTechs je nach Perspektive erhofft oder befürchtet wird: Wikipedia, eine Internetsite, die dafür gesorgt hat, dass das klassische Lexikon, der Brockhaus oder Meyer fast nur noch antiquarischen Wert hat. 

Wikipedia definiert „FinTech“ als eine Verkürzung des Wortes „Finanztechnologie“ und nennt dies einen Sammelbegriff für moderne Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen. Wikipedia führt weiter aus, dass es sich um ein Kofferwort aus den Wörtern „Financial Services“ und „Technology“ handele und dass man ebenfalls digitale Lösungen aus dem Versicherungsbereich darunter fasse, die allerdings an anderer Stelle auch als „Insuretech“ bezeichnet würden. 

Was ist „FinTech“?

Es gilt den Begriff „FinTech“ etwas exakter zu fassen und ihn als Bezeichnung für digital-internetbasierte und neuartige Plattformen für Dienstleistungsangebote im Finanzbereich zu bezeichnen. Wichtig ist: Eine genaue Abgrenzung dessen, was unter FinTech zu verstehen ist – und ob etwa ein Unternehmen unter diesem Begriff einzuordnen ist –, existiert nicht. Wie alles Neue unterliegt FinTech – und das betrifft die alternative Einordnung als „Disruptive Innovation oder digitalen Hype“ – ganz unterschiedlichen Bewertungen. Die Digitalisierung erscheint dann als große Chance oder als eine eminente Bedrohung. Sie kommt daher als Aufbruch in eine neue Welt oder als eine stetige Evolution, die uns über die nächsten Jahrzehnte noch beschäftigen wird. Ein viel zitiertes Wort von Bill Gates macht die beiden so unterschiedlichen Pole der Bewertung zwischen Furcht und Hoffnung deutlich: „Banking is necessary, Banks are not“ – hat der amerikanische PC-Pionier in aphoristischer Verkürzung gesagt. 

Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass die Digitalisierung, also die Umsetzung der neuen technischen Möglichkeiten aus der IT-Branche im Finanzdienstleistungsbereich ja nichts Neues ist. Creditreform selbst hat bereits in den 80er Jahren die ersten Wirtschaftsauskünfte online auf dem PC seiner Kunden und Mitglieder zur Verfügung gestellt. 

Eine neue Welt

Nun aber ist man doch in eine entscheidende Phase eingetreten. Täglich ist zu erleben, dass die Finanztechnologie die Strukturen und die inneren Funktionszusammenhänge der Banken entscheidend verändert. Ein Beispiel aus jüngster Zeit: Der Verband der Verbraucher-Kreditbanken in Deutschland gab auf seiner Pressekonferenz im Mai bekannt, dass der Anteil der online zugesagten Kreditanfragen um knapp 23 Prozent binnen Jahresfrist gestiegen sei. Und obwohl viele Filialen geschlossen wurden, sind einige tausend neue Mitarbeiter in den dem Verband angeschlossenen Consumer-Kreditbanken eingestellt worden. Das ist nur ein Beleg dafür, dass Bankkunden ihre Geschäfte mit der Hausbank zunehmend und regelmäßig online durchführen. Mobile-Banking ist auf dem Vormarsch, die ersten Institute bieten sogar sämtliche Bank-Services auf dem Smartphone an. Der Kunden erwartet einfach, dass ihm sämtliche Bankdienstleistungen jederzeit und entsprechend zu seinen persönlichen Bedürfnissen auf seinem Tablet oder Smartphone zur Verfügung stehen.

Bei aller beschriebenen Unsicherheit dürfe deshalb festzuhalten sein: Der Weg zur vollständigen Digitalisierung ist unumkehrbar. Der Satz „Wette nicht gegen das Internet!“ hat im Finanzdienstleistungsbereich volle Gültigkeit erreicht, auch wenn manche Innovationen verworfen werden oder sich als „Holzwege“ herausstellen sollten.

Der Begriff „FinTech“ wird vielfach synonym für ein Startup-Unternehmen benutzt, das sich im Bank- und Finanzdienstleistungsbereich gegründet hat. Und tatsächlich summierten sich die Investitionen in Finanzstartups weltweit 2014 auf die gigantische Summe von 12 Mrd. US-Dollar. Je nach Standpunkt hofft oder befürchtet man, dass diese Startups, diese FinTechs eben, die traditionelle Bankenwelt ablösen. Auch wenn wohl nicht anzunehmen ist, dass diese jungen Unternehmen auf lange Sicht die traditionellen Banken ersetzen werden, so bringen sie diese doch in Zugzwang. Das Bankgeschäft erhält neue Wettbewerber, die effizientere Technologien bereitstellen und so einen massiven Konsolidierungsdruck auf den Banksektor ausüben. Dabei finden sich die Banken bereits durch die Internationalisierung – letztlich ebenfalls eine Frucht der Digitalisierung – im Hinblick auf ihre Profite durchaus mit dem Rücken an der Wand. Und schließlich kommt noch ein Drittes hinzu: Angetrieben durch die neuen Möglichkeiten werden auch die Kunden anspruchsvoller. Nicht nur, was die Möglichkeiten des Bankgeschäfts angeht, sondern auch, was die Kosten betrifft, die man bereit ist, als Bankkunde zu zahlen. 

Es wachsen auch die Gefahren

Ein Beispiel für die steigende Effizienz, die gerade auch die klassischen Banken versuchen nachzubilden, ist die sogenannte „Blockchain-Technologie“. Mit ihr können alle an einem Finanzgeschäft Beteiligten jederzeit und quasi im Original den Stand der Dinge mitverfolgen und nachvollziehen. Ein entscheidender Vorteil im Zahlungsverkehr.

Doch auch hier gilt: Ob die Wertschöpfungskette unter dem Namen „Blockchain“ sich tatsächlich durchsetzen wird, entscheidet (wie immer), auch bei der Digitalisierung, der Markt. Denn die Effekte des Blockchain-Netzwerkes müssen letztlich beim Kunden ankommen, um für ihn seine Geschäfte komfortabler, schneller und vor allem auch sicherer zu machen. Entscheidend für ihr Überleben ist die Akzeptanz des Marktes, also der Bankkunden, und damit letztlich der Ertrag, der den Banken durch die neue Welt zufließen wird. 

Aber es gilt auch die Risiken der „Brave New World“ kurz zu beschreiben. Es häufen sich die globalen Attacken, die Unternehmen, Individuen, aber auch ganze Regierungen getroffen haben, und uns allen klar gemacht haben, wie fragil unsere neue Technologie ist. Zwei Zahlen mögen deutlich machen, welchen Stellenwert diese IT- oder Cyberrisiken genannten Angriffe auf die Systeme haben. So haben weltweit fast zwei Drittel aller Vorstandsvorsitzenden von Großunternehmen die Ansicht kundgetan, dass sie in diesen Attacken eine zentrale Bedrohung sehen. Und so verwundert es auch nicht, dass die Finanzinstitute an erster Stelle aller Branchen stehen, wenn es um den Kauf von Versicherungen gegen eben solche Attacken geht. Die durchschnittliche Haftungsgrenze lag 2014 bei 57 Mio. US-Dollar. 

Dabei ist der Schutz gegen solche Hacker-Angriffe nicht nur Aufgabe des einzelnen Bankinstitutes, sondern der Bankenregulierung und -aufsicht insgesamt. Die Bundesbank hat dazu Stellung genommen. Wie schwierig dies aber ist, zeigt sich schon bei einer Einordnung gleich zu Beginn: Handelt es sich bei den FinTech-Geschichten um einen Erlaubnis-Tatbestand nach dem Kreditwesengesetz, um Zahlungsdienste nach dem Zahlungsdienstaufsichtsgesetz? Alleine diese Einordnung, bereits vor allen operationellen Risiken im IT-Bereich, spielt eine wichtige Rolle, will man die Finanzkriminalität eindämmen. 

Was können wir tun?

Um die Institute widerstandsfähiger zu machen, müssen zunächst einmal Netzwerkpläne mit angemessenen und mehrstufigen Sicherheitsbereichen geschaffen werden. Schließlich bedarf es vieler Notfallpläne und eines wohldurchdachten Update-Managements. Gerade „Wanna-Cry“ hat ja gezeigt, dass es die Betroffenen vielfach an einem aktuellen Update haben fehlen lassen. Mit einem Wort: Die Risiken sind so groß wie die neuen Möglichkeiten. Und die Bank bleibt verantwortlich – da hilft auch nicht die Auslagerung des Rechenzentrums oder die Teilhabe an einer Cloud. Es gilt, die Schattenseiten in den Blick zu nehmen, ohne die Effizienz der neuen Systeme allzu sehr zu beschneiden. Der Kunde mag diese Risiken nicht im Auge haben, doch wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wenn es zu Ausfällen im Wertpapier-Depot gekommen ist, wird er fragen, ob sein elektronischer Partner nicht nach den Vorgaben des Beratungsgespräches haftbar für seine Ratschläge ist. Und erst kürzlich zeigte sich bei einer amerikanischen Vermittlungsplattform für Kredite, dass die Vergaben, das Ranking, manipuliert worden waren. Wir haben es dabei in vielen Fällen nicht einmal mit einer tatsächlich kriminellen Machenschaft, sondern eher mit dem Operieren in noch nicht geregelten Grauzonen zu tun, bei denen die Unkenntnis beim Bankkunden und bei der Aufsicht ausgenutzt wird. 

Wir halten bei den Gefahren der Finanztechnologie fest: Die rasant beschleunigten Neuentwicklungen im Finanzierungssektor, aber auch die mit großer krimineller Energie durchgeführten Angriffe machen zusammen die neuen Technologien riskant und störanfällig. Parallel zu den Neuentwicklungen müssen die Schutzzäune wachsen. Dies ist Aufgabe der Banken und Finanzdienstleister selbst, Aufgabe des Staates und der Bankenaufsicht, aber eben auch Aufgabe des Bankkunden, aller die im persönlichen Umgangs mit den Systemen unterwegs sind.

Die FinTechs zeigen uns, wie innovativ und erfindungsreich Menschen sein können – diese Eigenschaften nutzen sie leider nicht immer nur zum Guten.

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