Was ist Ihre Firma wert?

„Nicht alles, was man zählen kann, zählt – und nicht alles was zählt, kann man zählen.“ Schon Albert Einstein wusste, wie entscheidend Dinge sein können, die man nicht so einfach beziffern kann. Dies gilt auch für sogenannte weiche Faktoren, die bei der Bewertung eines Unternehmens eine wichtige Rolle spielen.

Was ist eigentlich mein Unternehmen wert? Diese Frage beschäftigt viele Geschäftsinhaber – insbesondere dann, wenn etwa der Firmenverkauf, die Nachfolgeregelung oder ein Finanzierungsgespräch bei der Hausbank bevorsteht. Experten, die den Wert einer Firma bestimmen, sehen sich zunächst fundamentale Faktoren wie Umsatz, Gewinn, Cashflow und Vermögenswerte an. Neben diesen harten Zahlen gibt es aber auch viele weiche Faktoren, die für die Schätzung des Firmenwerts bedeutend sind.

Faktor 1: der Unternehmer

Für Thomas Tesche, der für die Koblenzer Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Dornbach Unternehmen und deren immaterielle Vermögenswerte bewertet, spielt bei vielen Mittelständlern der Unternehmensinhaber die wichtigste Rolle. „Er hat die Kontakte zu den Kunden. Er kennt seine Mitarbeiter. Und er ist oftmals ein wichtiger Grund für die Mitarbeiter, dem Unternehmen treu zu bleiben“, so Tesche. Der Firmenwert steht und fällt für Tesche deshalb mit der Frage, ob die Geschäftstätigkeit im bisherigen Umfang auch künftig ohne den bisherigen Eigner fortbestehen kann.

 Egal ob bei einem Verkauf oder bei einer Nachfolgeregelung: Es ist sinnvoll, den Geschäftsführer bei kleinen und mittleren Unternehmen zumindest für eine Übergangsfrist, beispielsweise für zwei oder drei Jahre, in das Unternehmen einzubinden. Dabei sollte man sich immer die Frage stellen: Was bedeutet es für unser Geschäft, wenn der Inhaber auf einmal weg ist? „Es kann in Extremfällen sogar sein, dass ein Betrieb ohne den bisherigen Unternehmer gar nichts wert ist“, hebt Tesche hervor. Dies kann beispielsweise passieren, wenn die Kundenbeziehungen wegbrechen. „Vor allem für ein Unternehmen, das nur wenige große Kunden hat, zu denen der Chef eine sehr enge Beziehung pflegt, besteht ein großes Klumpenrisiko“, so der Betriebswirt.

Faktor 2: die Technologie

Ein anderer weicher Faktor, der den Firmenwert beeinflusst, ist die vorhandene Technologie. „Hier ist die Frage entscheidend, wie lange diese noch wettbewerbsfähig ist“, sagt Tesche. Dabei geht es um Aspekte, wie sich etwa das Unternehmen auf technische Neuerungen vorbereitet hat – etwa über eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Oder wie groß das Risiko ist, dass diese Technik im Markt bald keine wichtige Rolle mehr einnimmt.

Als aktuelles Beispiel nennt der Experte die Automobilbranche. Da die Getriebe von Verbrennungsmotoren bei Elektrofahrzeugen nicht mehr benötigt werden, könne es fatal sein, wenn sich ein Autozulieferer heute ausschließlich auf die Herstellung von Getriebeteilen fokussiert. „Wie hoch die Technologie in der Automobilbranche bewertet wird, ist an der Börsenkapitalisierung von Tesla zu sehen“, merkt Tesche an. Und tatsächlich: Der noch junge Autohersteller, der sich auf E-Technik spezialisiert hat, ist derzeit an der Börse mehr wert als die alteingesessenen Konzerne Ford, General Motors oder BMW.

Faktor 3: die Glaubwürdigkeit

„Der Businessplan ist die Pflicht, die weichen Faktoren sind die Kür“, sagt Sven Oleownik, Partner und Head of Germany der Investmentgesellschaft Gimv. Neben harten Fakten wie Umsatz- und Kostenposten zählt für ihn vor allem die Glaubwürdigkeit der Führungsmannschaft eines Unternehmens. Gemessen wird diese daran, wie realistisch es ist, dass das Team die gesteckten Ziele erreicht. Andreas Grün von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wie gut und erfolgreich ein Unternehmen am Markt agiert, hängt von allen ab: vom einfachen Angestellten bis zum oberen Management.“

Für den Investor Oleownik zeichnet sich ein qualitativ hochwertiges Unternehmen vor allem durch wohlüberlegtes strategisches Handeln des Firmenchefs und seiner Führungskräfte aus. „Dabei ist besonders die Einstellung des Chefs wichtig: Geht es ihm einfach darum, in seinem Unternehmen der Boss zu sein, oder stellt er auch Mitarbeiter ein, die besser sind als er selbst?“, erläutert der Experte.

Aus Gesprächen, die Oleownik in den Managementetagen verschiedener Firmen führt, kann er schnell ableiten, welche Unternehmenskultur gelebt wird. Seine Erfahrung lehrt ihn: „Wenn ich den Geschäftsführer nach der Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens frage, dieser mir in die Augen schaut und glaubhaft erklärt, wie er die Ziele seines Businessplans erfüllen will, ist dies positiv für die Bewertung des Unternehmens.“ Vertrauen in die Fähigkeiten des Firmenchefs ist für ihn bei der Einschätzung des Firmenwerts entscheidender als etwa die Rechtsform oder die Anzahl an Patenten. „Manchmal sind Patente nicht hilfreich – im Gegenteil, ich lade mit ihnen sogar zum Kopieren von Ideen ein. Dies gilt vor allem für Branchen mit schnellen Innovationszyklen“, so Oleownik. Hinzu kommt: Es nützten die besten Ideen und Innovationen nichts, wenn sich kein Mensch dafür interessiere. Stattdessen müsse man sich den kommerziellen Wert, der dahinterstehe, genauer ansehen.

Faktor 4: das Image

Einen weiteren wichtigen Aspekt spricht PwC-Experte Grün an: „Bei einem Unternehmensverkauf ist für den Käufer entscheidend, wie hoch die künftig entziehbaren Überschüsse ab dem Kaufzeitpunkt sein werden“, erläutert er. Und auch bei der Prognose dieser künftigen Überschüsse fließen weiche Faktoren mit ein. Für Grün sind dies vor allem die Marke, die Reputation, die Qualität der Produkte und Services sowie die Belegschaft. „Eine bekannte Marke sorgt für eine gute Reputation. Daraus ergeben sich Vorteile gegenüber Wettbewerbern“, sagt er. So können beispielsweise Autohersteller, die Premiummarken verkaufen, höhere Preise verlangen als Wettbewerber, die ihre Autos in den unteren Preissegmenten verkaufen.

Faktor 5: die Qualität

Nicht zuletzt trägt auch die Qualität der Produkte zum guten Ruf eines Unternehmens und damit auch zum Firmenwert bei. „Der Einsatz von hochwertigem Material und eine gute Serviceleistung können die Kunden überzeugen und den Umsatz steigern“, sagt Grün. Zu guter Letzt ist für ihn die Belegschaft einer Firma ein sehr wichtiger Faktor, wenn es um die Bewertung geht. „Wie gut und erfolgreich ein Unternehmen am Markt agiert, hängt von allen ab: vom einfachen Angestellten bis zum oberen Management.“   


Quelle Creditreform Magazin
Text: Gian Hessami

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