Wackelige Prognosen

Da Unternehmer in der Wirtschafts- und Finanzkrise meist mehr mit der Stabilisierung ihrer Betriebs- umsätze zu tun haben, kommen wichtige andere Punkte häufig zu kurz. Die Altersvorsorge beispielsweise, denn auch die könnte unter der Krise leiden.

Bevor Berthold T. seinen derzeitigen Betrieb vor rund 15 Jahren erwarb, war er im selben Unternehmen fast 20 Jahre als Mitarbeiter tätig. In dieser Zeit sicherte er sich Rentenansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung in Höhe von etwa 800 Euro. Hinzu kommen weitere 400 Euro aus der betrieblichen Altersvorsorge.

Dass diese Zahlungen später bei weitem nicht ausreichen werden, um seinen Lebensstandard auch nur annähernd zu halten, hat T. bereits in jungen Jahren erkannt, als er sich seine diesbezüglichen späteren Ansprüche hochrechnen ließ. Daher schloss er bereits kurz nach seiner Ausbildung eine Kapitallebensversicherung ab.

Im Laufe der Jahre folgte bei der gleichen Gesellschaft noch eine weitere, so dass er seinerzeit davon ausging, dass diese sowohl in Fachkreisen als auch in der Öffentlichkeit immer wieder empfohlene geradezu "klassische" Dreiteilung in gesetzliche Rentenversicherung, betrieblicher Altersvorsorge und privater Absicherung im Alter ausreichen würden.
 

Unerfreuliche Wertentwicklungen

Doch das war wohl zu optimistisch gedacht: Vor kurzem wies ihn sein Steuerberater  auf "spätere Finanzlücken" hin. Es geht um seine Lebensversicherungen, in die der Unternehmer zwar Monat für Monat einzahlt, deren tatsächliche Wertentwicklungen er aber bisher eigentlich kaum verfolgt.

Dies hat sich mittlerweile geändert: Seit seinem Gespräch mit seinem Steuerberater kontrolliert T. die ihm jährlich übersandten "Standmitteilungen" akribisch. Hier wird vermerkt, mit welchen Ablaufleistungen und Rückkaufswerten er jetzt und zukünftig rechnen kann. Darüber hinaus erläutert das Unternehmen, wie sich seit der letzten Mitteilung des jeweiligen Vorjahres die Kapitalmärkte entwickelt haben – und welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf den Wert auch seiner Lebensversicherungen haben.

Genau dieser Punkt macht T. nun Sorge: Während der vergangenen Jahre und vor allem natürlich während der Finanzkrise ist der Wert der Versicherungen nur unwesentlich gestiegen. Unter Berücksichtigung der von T. erbrachten jährlichen Einzahlungen von rund 3.000 Euro in die beiden Lebensversicherungen ergibt sich nun eine jährliche Durchschnittsverzinsung von noch nicht einmal zwei Prozent. Stabilisiert sich die Entwicklung auf diesem niedrigen Niveau, so hat sich T. ausrechnen lassen, wird er eine rechnerische Lücke zum Ablauf der Versicherungen in knapp sechs Jahren von etwa 15.000 Euro haben.

Diesen Betrag, mit dem er fest kalkuliert hat, müsste er dann kurzfristig in anderer Form ansparen. Derzeit sieht sich T. dazu aber außerstande, da sein Betrieb vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung die dazu erforderlichen Einnahmen einfach nicht hergibt. Die Betrachtung der Wertentwicklung seiner Lebensversicherungen während der vergangenen Jahre veranlasst T. nun, den Versicherungsverlauf weiter zurückzuverfolgen.

Dazu liegen ihm vom Versicherer mittlerweile die Zahlen vor, die ebenfalls wenig Gutes verheißen: Während des geprüften Zeitraumes von zehn Jahren schaffte es das Unternehmen maximal bis zum Durchschnitt der in der Branche vorhandenen Mitbewerber. T. geht davon aus, dass die Gesellschaft in den Jahren der enormen Aktienkursverluste einschließlich des laufenden Jahres einen entsprechenden Wertberichtigungsbedarf vornehmen musste, der offensichtlich auch in der Wertentwicklung der Versicherungen von T. in hohem Maße zum Ausdruck kommt.
 

Hinweise ignoriert

T. hat sich mittlerweile auch schriftlich beim Versicherer darüber beschwert. Allerdings musste er sich im diesbezüglichen Antwortschreiben vorhalten lassen, dass die Gesellschaft ihm bereits seit Jahren einmal im Jahr eine entsprechende Mitteilung über die Entwicklung seiner Versicherungen zugesandt hat. Bei sorgfältiger Durchsicht dieser Unterlagen hätte ihm also durchaus auffallen müssen, dass sich die Gesamtwerte der Lebensversicherungen keinesfalls so entwickelt haben wie es ursprünglich prognostiziert wurde. Mehr noch: Der Versicherer hat offenbar auch deutlich darauf hingewiesen, dass die in den vergangenen Jahren schwierige Situation an den Kapitalmärkten Hauptursache für diese Wertentwicklung gewesen ist

Da T. diese Schreiben lediglich oberflächlich durchgesehen hatte, fiel ihm also nicht auf, dass seinerseits bereits vor Jahren ein finanzielles Gegensteuern hätte erfolgen müssen. Dazu dürfte es nun fast schon zu spät sein. Die erwähnte angespannte betriebliche Situation gibt zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt weitere finanzielle Mittel wie erwähnt nicht her.

T. denkt nun darüber nach, sich von einem unabhängigen Versicherungsexperten bezüglich möglicher Änderungen der bestehenden Lebensversicherungen beraten zu lassen. Dazu denkt er auch an eine Reduzierung der monatlichen Raten. Das auf diesem Weg eingesparte Geld will er gegebenenfalls in einen Sparplan einbringen, von dem er sich eine bessere Wertentwicklung verspricht. Ob sich diese und ähnliche Ideen in Zeiten allgemein niedriger Zinssätze realisieren lassen, muss das Gespräch mit dem Versicherungsfachmann allerdings erst noch zeigen.

Check-Liste: Frühzeitig die richtigen Weichen stellen

 

  • Eine regelmäßige Bestandsaufnahme Ihrer derzeitigen und später zu erwartenden Einnahmen im Rentenalter sollte für Sie, dies zeigt der dargestellte Praxisfall deutlich, zu einer selbstverständlichen Pflichtübung werden. Orientieren Sie sich bei den jeweiligen Prognosen Ihrer Vertragspartner an Werten und entsprechenden Hochrechnungen, die Sie selbst für realistisch halten.
  • Reagieren Sie umgehend, wenn sich Planabweichungen ergeben, welche die Höhe Ihrer finanziellen Altersabsicherung in Frage stellen. Falls erforderlich, nehmen Sie kompetenten Rat in Anspruch. Erfahrungsgemäß können Ihnen beispielsweise die Handwerkskammer oder Ihre Berufsverbände meist Ansprechpartner nennen, die eine weitgehend neutrale Beratung anbieten.
  • Bei grundsätzlichen Fragen zu Versicherungen oder Anlageprodukten können Sie sich auch an die Bundesaufsicht der Finanzinstitute, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, wenden. www.bafin.de
  • Berücksichtigen Sie bei Ihren Überlegungen zur späteren Altersabsicherung auch eventuelle Vermögenswerte wie Erbschaften oder Schenkungen, die Sie dazu gegebenenfalls einsetzen können.
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